Gudrun Schweisfurth

Nach meinem Geschichts- und Germanistikstudium und meiner Tätigkeit als Lehrerin habe ich über zwanzig Jahre lang in Herrmannsdorf bei Glonn gelebt und mich als Teil der Unternehmers Familie für das Pionierprojekt Herrmannsdorfer Landwerkstätten engagiert. Seit Herbst 2017 studiere ich Philosophie. Heute lebe und arbeite ich als Philosophin und Lehrerin in München/Haidhausen. Denken hilft! So die Kurzfassung der Antwort auf die Frage, warum ich Philosophin geworden bin.

Das Philosophieren ist für mich eine wertvolle Quelle, mit der wir die Fülle unserer Erfahrungen, die wir im Leben sammeln, gründlich überdenken können. Oder in den Worten eines Philosophen ausgedrückt: Erfahrungen, durch Denken begleitet, machen weise. Ich hatte das Glück, dass ich im Herbst 2017 mit über fünfzig Jahren ein Philosophiestudium beginnen durfte. Die verschiedenen Texte, Disziplinen, und Denkrichtungen der Philosophie inspirieren mich so sehr, dass ich nach meinem Master weiter studiere und zwei Ausbildungsgänge zur Philosophischen Praktikerin besucht habe.

AUSBILDUNGEN


VITA

Nicht die Lektüre philosophischer Schriften oder die Vorträge kluger Professoren prägen meine Haltung als Philosophin. In erster Linie bin ich die, die ich bin, durch die Menschen und Orte, die mich berührt haben.
Ich bin 1963 geboren und in einem kleinen schwäbischen Dorf, umgeben von Wald, aufgewachsen. Über die jüdisch-christliche Dorfgemeinschaft und deren Zerstörung während des Nationalsozialismus habe ich 1990 eine Oral History Forschungsarbeit geschrieben, weil mich schon damals die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen für das Geschehen in der Welt beschäftigte. Ich habe Geschichte und Germanistik an der Universität Stuttgart und Zürich studiert und mich anschließend als Lehrerin im beruflichen Bereich ausgebildet.

1996 siedelte ich zusammen mit meinem Mann Karl Schweisfurth auf Gut Herrmannsdorf bei Glonn. Wir gründeten eine Familie mit drei Töchtern und übernahmen die geschäftsführende Verantwortung für das ökologische Pionierunternehmen Herrmannsdorfer Landwerkstätten, das seit über 30 Jahren vom Acker bis zum Teller handwerkliche Lebens-Mittel herstellt und verkauft.

Als Teil einer traditionellen Unternehmerfamilie konnte ich dort erleben und selbst ausprobieren, wie man Neues in die Welt bringen kann. Karl Ludwig Schweisfurth, der Begründer von Herrmannsdorf, war mir dabei ein unschätzbarer Lehrmeister. Er ermutigte mich, selbst Unternehmerin zu werden. 2000 gründete ich den heute noch bestehenden Herrmannsdorfer Dorf-Kindergarten mit einem außergewöhnlichen Naturkonzept. 2017 entwickelte ich die Idee und Umsetzung der Handwerkstatt – der Akademie für gute Lebensmittel, das erfolgreich Wurst-, Fleisch- und Back-Kurse anbietet. Direkt neben der Handwerkstatt entstand 2019 – während meines Philosophiestudiums – die Denkwerkstatt.

Neben meinen Aufgaben in den Bereichen Marketing, Personalentwicklung und Betreuung unserer Partnerbauern beginne ich während und nach der Übergabe der Herrmannsdorfer Geschäftsführung an die junge Generation mit dem Studium an der Philosophischen Hochschule in München. Meine Besuche der Bauern begleite ich mit einer philosophischen Praxisreflexion zum Thema „Bäuerliche Kultur“, die 2020 im Band: Culture – A Life of Learning. Clifford Geertz und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, veröffentlicht wurde.

Der Ort Herrmannsdorf mit seiner Kunst und seiner Liebe zu Handwerk und Schönheit hat mich über 20 Jahre lang tief geprägt und mein Philosophieren wesentlich beeinflusst.

Seit Herbst 2020 lebe und arbeite ich nun als Philosophin und Lehrerin für Deutsch und Ethik im Stadtteil Haidhausen in München. Es zog mich – nach den vielen Jahren auf dem Lande – auf den Marktplatz, mitten hinein ins bunte Treiben, das schon seit jeher ein beliebter Ort lebhafter Philosophen war.